Ökohaus bauen – Kosten und Besonderheiten

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Das Ökohaus ist ein Haustyp oder besser noch ein Hauskonzept, das auf nachhaltigem Bauen, gesundem Wohnen und hoher Energieeffizienz basiert.

So kommen im Ökohaus nur recyclingfähige, umwelt– und gesundheitsverträgliche Materialien ohne belastende Schadstoffe zum Einsatz. In Sachen Energie steht die Schonung von Ressourcen an erster Stelle. Dies bezieht sich nicht nur auf den Energiebedarf und die (Heiz)-Energieerzeugung im Haus selbst, sondern beginnt bereits bei der Herstellung der Baustoffe.

Moderne Ökohäuser können als Massivhaus oder Fertighaus geplant werden, spezialisierte Planer, Anbieter und Hersteller bieten spezielle Ökohauskonzepte an.

Materialauswahl mit Blick auf Ökologie und Nachhaltigkeit

Holz, Mauerziegel, Naturstein, pflanzenbasierte Dämmstoffe  – Die Baustoffe fürs Ökohaus sind natürlichen Ursprungs und stammten idealerweise aus dem regionalen Umfeld, um bereits beim Transport zur Baustelle Energie und damit Ressourcen einzusparen.

Achten Sie bei der Baustoffauswahl auf zertifizierte Produkte. Mittlerweile gibt es in Deutschland zahlreiche Gütesiegel speziell für gesunde und nachhaltige Baustoffe wie zum Beispiel Natureplus, das Eco-Institut-Label oder die Einstufung nach dem EMICODE.

Massive Wandbaustoffe

Mauerziegel, aber auch Kalksandstein und Porenbeton eignen sich aufgrund der guten Ökobilanz für die Wände im Ökohaus:

  • Mauerziegel aus gebranntem Ton bestehen aus natürlichen Materialien, sind schadstofffrei, wärmedämmend, langlebig und recyclingfähig. Zwar erhöht der hohe Einsatz von Energie beim Brennen der Steine den Primärenergiebedarf, da die Ziegel in der Regel regional hergestellt werden und damit die Transportwege kurz sind, überwiegt am Ende doch der umweltfreundliche Aspekt.
  • Die Fertigung von Kalksandstein erfolgt aus Branntkalk, Sand und Wasser. Die Materialien werden unter hohem Druck und Dampf gehärtet. Dieses energiesparende Herstellungsverfahren in Verbindung mit den natürlichen Ausgangsstoffen und der Recyclingfähigkeit machen Kalksandstein zum durch und durch ökologischen Baustoff.
  • Porenbeton besteht aus Branntkalk, Zement, Quarzsand und Wasser. Die geformten Rohlinge werden wie Kalksandstein unter Dampf gehärtet. Lediglich das zur Porenbildung zugefügte Aluminiumpulver ist in ökologischer Hinsicht als kritisch einzustufen, wird allerdings aus Recyclingprodukten gewonnen und belastet so nicht unnötig natürliche Ressourcen.

Trockenbaustoffe

Werden die Innenwände im Ökohaus in Trockenbauweise errichtet, stehen ebenfalls natürliche und gesunde Baustoffe zur Verfügung. Neben den klassischen Gipskartonplatten ist der Einsatz von Lehm-, Holz- oder Strohbauplatten eine gute Wahl. Letztere sind nicht nur umweltfreundlich, sondern liefern auch positive Effekte für das Wohnklima.

  • Gipskarton- und andere Gipsbauplatten sind mit Papier ummantelte Gipsplatten. Als Ausgangsstoffe kommen Naturgips oder REA-Gips, ein Abfallprodukt aus der Rauchgasentschwefelung, zur Anwendung. Zugesetzte Glas- oder Kunststofffasern sorgen für Stabilität, mindern allerdings die Eignung fürs Ökohaus. Alternativ können Gipskartonplatten aus REA-Gips ohne weitere Zusätze verwendet werden, um dem ökologischen Anspruch zu genügen.
  • Lehmbauplatten aus faserverstärktem Ton oder mit Armierung sind im ökologischen Bauen besonders wegen ihrer klimatisierenden Eigenschaften beliebt. Die Platten lassen sich ganz ähnlich wie Gipskartonplatten zur Beplankung von Ständerwänden oder zur Wandverkleidung einsetzen. 
  • Strohbauplatten bestehen aus Getreidestroh, die Bindung der Halme untereinander übernimmt das materialeigene Lignin. So kommen die Platten ohne zusätzlichen Kleber oder weitere Bindemittel aus. Für eine glatte Oberfläche sind die Platten mit Papier bezogen. Strohbauplatten sind besonders stabil und können auch ohne Ständerwerk für leichte Trennwände verwendet werden. 
  • Ein weiteres Material, das sich ausgezeichnet für den Innenausbau im Ökohaus eignet, sind Holzfaserplatten. Ausgangsmaterial bilden Holzabfälle oder Restholz. Auch bei diesen Platten übernimmt das holzeigene Lignin die Aufgabe des Bindemittels. Durch die Verwendung von Abfallholz und der Verzicht auf Kleber und andere Zusatzstoffe sind diese Platten schadstofffrei und recyclingfähig.

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Dämmstoffe

Im Bereich der Dämmstoffe ist die Auswahl an natürlichen Produktvarianten mittlerweile groß. Als Alternative zu Mineralwolle und Co eignen sich Hanf, Flachs, Holzfaserdämmstoffe, Schafwolle, Zellulose oder Perlite.

Allerdings sind vielen natürlichen Dämmstoffen Zusätze beigefügt, die die Materialeigenschaften zwar verbessern, aber zu Abstrichen bei der Recyclingfähigkeit oder in Bezug auf die Wohngesundheit führen. In Hanf- und Holzfaserplatten sind häufig Polyesterfasern zur Verstärkung eingearbeitet, Schafwolledämmung kann Biozide enthalten und Zellulose werden häufig umweltschädliche Flammschutzmittel zugefügt.

Putze und Farben

Die Verwendung ökologischer Baustoffe hört im Ökohaus natürlich nicht bei der Gebäudehülle auf. Auch der Innenausbau erfolgt nach ökologischen Grundsätzen. Putze und Farben aus Naturrohstoffen sind gesundheitlich unbedenklich. Durch ihre Fähigkeiten, die Luftfeuchtigkeit und damit das Raumklima zu regulieren, tragen sie ebenso wie die anderen ökologischen Baustoffe zu einem gesunden und schadstofffreiem Wohnklima bei. Unter den Putzen sind im Ökohaus hauptsächlich Lehm- und Kalkputz zu finden:

  • Lehmputz besteht aus mit Sand abgemagertem Ton und Wasser, eventuell sind mineralische Farbpigmente zugesetzt. Je nach Produkt sind dem Baustoff Stroh- oder Holzfasern beigefügt. Diese Fasern geben der Wand eine besondere Struktur und verbessern die Stabilität des Putzes.
  • Kalkputz besteht ebenso aus rein natürlichen Baustoffen, nämlich Kalk, Sand und Wasser sowie eventuell Farbpigmenten. Der große Vorteil, den Kalkputz mitbringt, ist seine Unempfindlichkeit gegen Schimmel durch die ausschließlich mineralischen Bestandteile.

Die Produktpalette an Wandfarben fürs Ökohaus umfasst eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten, wie Naturharzdispersionsfarben, Lehm- und Kalkfarben, Silikatfarben und Kaseinfarben. Da für Naturfarben ausschließlich natürliche, meist mineralische Pigmente fürs Abtönen verwendet werden, ist die Auswahl an Farben eingeschränkt. Insgesamt ist die Farbintensität deutlich geringer als bei klassischen Dispersions-Wandfarben.

Bodenbeläge

Auch bei den Bodenbelägen wird beim Ökohaus auf Naturmaterialien gesetzt. Holzdielen oder Parkett, Keramik- und Natursteinfliesen, Linoleum oder Korkboden stehen zur Auswahl. Insbesondere bei verklebten Böden ist darauf zu achten, dass nicht nur das Belagsmaterial selbst, sondern auch der verwendete Kleber schadstofffrei und ökologisch unbedenklich ist.

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Konstruktion

Im Ökohaus sorgt ein Zusammenspiel von Gebäudehülle, Materialwahl und Haustechnik für geringe Wärmeverluste, hohe Energieeffizienz und ein gesundes Wohnklima.

Unabhängig vom Haustyp ist die Gebäudehülle luftdicht ausgeführt und verfügt über einen niedrigen U-Wert, um Wärmeverluste zu begrenzen. Nach diesen Maßgaben lassen sich die Anforderungen, die ein Ökohaus stellt, beim Massivhaus, ebenso wie bei Fertighäusern oder Holzhäusern umsetzen. Der Blick auf eine gute Wärmedämmung betrifft nicht nur die Wandaufbauten selbst, sondern ebenso Fenster, Türen und die Dachkonstruktion, bzw. -dämmung.

Auch bei den Installationen, der Leitungsverlegung und bei Durchbrüchen und Anschlüssen werden hohe Maßstäbe angelegt. Um eine maximale Dichtheit zu erreichen, müssen alle Anschlüsse, zum Beispiel zwischen Fenstern und Mauerwerk oder Wand- und Dachkonstruktion besonders sorgfältig und nach hohen Qualitätsmaßstäben umgesetzt werden. Fenster und Türen werden mindestens nach den Vorgaben der RAL-Montage eingebaut. Das Energieeffizienz ein wichtiger Bestandteil im Ökohaus ist, sind Passiv- oder sogar Nullenergiehäuser oft der maßgebliche Standard. Dies spiegelt sich auch in der verwendeten Haustechnik wider.

Haustechnik im Ökohaus

Die Heizungsanlage im Ökohaus arbeitet energieeffizient, emissionsarm und idealerweise mit erneuerbaren Energien, um natürliche Ressourcen zu schonen. Wärmepumpen als Erdwärmepumpen sind hier häufig die erste Wahl, oft in einer Kombination mit Holzpelletöfen oder auch Kaminöfen. Ebenfalls denkbar sind andere bivalente Kombinationen: So übernimmt die Wärmepumpe generell die Beheizung der Räume, an sehr kalten Tagen erledigt ein Gasbrennwert-Kessel den Rest. Für die Warmwasserbereitung sorgt eine Solarthermie-Anlage auf dem Hausdach. Andere Heizungs- und Energieversorgungsanlagen fürs Ökohaus sind Photovoltaik für die Stromproduktion oder sogar das eigene Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme gleichermaßen produziert.

Für ein gesundes und möglichst emissionsfreies Wohnklima lohnt auch ein Blick auf die Elektroinstallation: Abschirmende Kabel, Netzfreischalter und eine kluge Verlegung der Leitungen reduzieren Elektrosmog aus den eigenen vier Wänden. So werden zum Beispiel die E-Leitungen nicht wie üblich in Fußboden-, sondern in Deckennähe verlegt; Ruhezonen wie zum Beispiel das Schlafzimmer bleiben leitungsfrei, zumindest im Bereich des Bettes. Der Verbrauch elektrischer Energie kann weiterhin durch die Hausautomation begrenzt werden, bei der intelligente Steuerungsmechanismen dafür sorgen, dass der Energieverbrauch bedarfsgerecht und so sparsam wie möglich bleibt. Realisieren lässt sich das durch Sensoren, die auf Licht und Wärme reagieren, automatische Abschaltungen des Lichts, wenn keine Person im Raum ist oder eine programmierte Heizungssteuerung.

Vorteile des Ökohauses

  • Gesundes Wohnklima
  • Geringer Energieverbrauch und damit Schonung des Haushaltsbudgets, der natürlichen Ressourcen und des Klimas
  • Hohes Maß an Recyclingfähigkeit der Baustoffe
  • Werterhalt und Wertsteigerung

Nachteile des Ökohauses

  • Höhere Baukosten
  • Erfahrener Planer/ Hausanbieter nötig
  • Möglicherweise Änderungen im Nutzerverhalten nötig

Ökohaus bauen

Unabhängig davon, für welchen Baupartner Sie sich entscheiden, muss der eine Voraussetzung zwingend erfüllen: Er muss sich mit der Thematik gut auskennen. Da der Begriff nicht geschützt ist, werden heute oft auch Häuser als Ökohäuser deklariert, die nur einige der Bedingungen für nachhaltiges Bauen erfüllen, zum Beispiel eine energieeffiziente Heizungsanlage, die mit erneuerbaren Energien arbeitet.

Hinter dem Konzept Ökohaus steckt dabei so viel mehr, insbesondere, was die Materialwahl angeht. Sie sind also gut beraten, wenn Sie bei der Entscheidung für einen Hausbau-Partner darauf achten, dass der nicht nur Erfahrung, sondern auch eine gewisse Leidenschaft mitbringt.

Eine gute Unterstützung bei der Anbieterwahl, der Planung und der Durchführung leisten Baubiologen. Diese Spezialisten kennen sich mit nachhaltigem und umweltbewusstem Bauen bestens aus und betreuen Sie gerne über den gesamten Ablauf Ihres Bauprojekts. 

Was kostet ein Ökohaus?

Eins ist sicher: Mit den herkömmlichen Quadratmeterpreisen für Neubauten werden Sie beim Bau eines Ökohauses höchstwahrscheinlich nicht rechnen können. Eine solide Finanzierung, die auch eventuelle Mehrkosten miteinplant, ist deshalb besonders wichtig.

Bedenken Sie auch, dass im Verlauf der Nutzung höhere Reparatur- und Instandhaltungskosten anfallen können und schaffen Sie ein entsprechendes Polster. Entscheiden Sie sich für einen Hausanbieter, der Ökohäuser anbietet, ist eine gründliche Prüfung des Bauvertrags und der Leistungsbeschreibung besonders wichtig, um sicherzustellen, dass Ihr neues Eigenheim am Ende auch durch und durch ein Ökohaus ist.

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